Freitag, 13. August 2010

Fotoimpressionen - Schweden
Da mir zu Ohren kam, dass es einige gibt, die nicht so gern die langen Texte lesen, und ich auszersdem endlich mal wieder einen PC mit USB-Anschluss habe, wird dies eine Fotoseite.
Ich sitze uebrigens mal wieder in einer Bibliothek. Diesmal ist es in einem Institut der Diakonie, welches noch diese Woche als Hostel & Hotel fungiert, bevor nächste Woche die Studenten wiederkommen. Das Wetter sollte mich eigentlich hinauslocken, denn während ich im Netz die Unwetterwarnungen fuer Deutschland lese, ist es hier wirklich sommerlich. Die Fotos sind nicht chronologisch.

Dieses Bild entstand auf der Fähre von Grisslehamn/ Schweden nach Eckerhö/ Åland. Auf diesen Schiffen gibt es Alkohol steuerfrei, weshalb die lieben Schweden den Tag morgens um zehn erst einmal mit Bier und Jägermeister beginnen, bevor sie sich anschlieszend im Tax-Free-Shop palettenweise mit Bier, Wein & Schnaps eindecken.
Wer jagt hier wen? Das Schwein sieht schon ziemlich angeschossen aus. Allerdings habe ich beide Gattungen nie in freier Wildbahn gesichtet.

Der Dame scheint mein Fahrrad nicht zu gefallen.!?

Jetzt einiges fuer die Kunstliebhaber - Dazu fällt mir nichts ein!

Wer ist wohl hier von seinem Sockel herabgestiegen.?!

Diese Figuren sind aus ganz duennen Granitplatten. Was die Herren mit der Dame vorhaben, kann ich euch nicht sagen.

Hier musste ich mein Fahrrad ins Gesamtkunstwerk einfuegen!

Fuer alle die es etwas farbenfroher mögen ....

Und zum Schluss die Volkskunst

Dieses Schiff war im Hafen von Stockholm einfach mal untergetaucht, hatte aber noch ein sichtbares Verkaufschild an der Kajuete....?!

Auf dem weiszen Schiff habe ich zwei Tage geschlafen.

Visby - Barockkirche vor mittelalterlicher Burgruine und Kreuzfahrtschiff
Gotland - Ein Wirtshaus wahrscheinlich aus der Renaissance

Diese Tanksäulen stehen vor vielen Supermärkten und werden auch noch benutzt. - Dahinter steht mein "Eisenschwein".

Fårö - Diese Kiste fährt wahrscheinlich nicht mehr.

Mitten in den Fuenfzigern ....
Visby - Das ist ein intakte Telefonzelle.

Diese UFO landet in einem Vorort von Kalmar.
Hier noch mal einmal ein Blick auf Stockholm mit "meinem" Dreimaster rechts unten. Wie ich das hinbekommen habe, löse ich in einem meiner nächsten Blogs auf.Jetzt das Ganze noch mal bei Nacht ....und nun mit einem Blick aus meinem Zimmer.
Was der Vogel von mir wollte, ist klar - Futter!

Beim Blick ins Fenster einer Fischerhuette hat sich der Fotograf mit abgelichtet.

Das sind die Typen ueber die Ingrid auf Fårö geschimpft hat. Wohnwagen fuer 1.000.000 Kronen und mehr und dann die 180 Kronen fuer den Zeltplatz sparen und irgendwo im Naturreservat stehen. Alle 4- 5 Tage sind die auch auf dem Zeltplatz um ihren Muell und ihre Väkalien los zu werden.

Der kleine gruen/orange Fleck in der Bildmitte ist mein Zelt, links daneben steht mein Fahrrad.

Das ist ein bewirtschafteter Schafhof auf Fårö.

Dies ist der Versuch, die Schärenlandschaft auf ein Bild zu bannen.
Angeblich stammen diese Zeichen von den Wikingern, was ich mir allerdings bei diesem guten Zystand kaum vorstellen kann.Und zum Beweis, dass Schweden nicht teuer sein muss: "Dagens Husman" (Quasi das Tagesmenue des Hausmanns) mit einem Softgetränk und "Kaffee satt" auf der Gotlandfähre fuer 8,50 Euro.

Montag, 9. August 2010

Mit dem Fahrrad durch Stockholm

Montag: 09.08.2010 - 28 km/ 2394 km mit dem Fahrrad und 2 Stunden zu Fuss
(letzteres war anstrengender)
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Was sagt der alte Seume zu Stockholm.!?:
"Stockholm wird nicht zu Unrecht das Paradies des Nordens genannt, wenn man die schönen Gruppierungen der Gegend nimmt. Man kann es vielleicht kaum eine Stadt nennen; denn man merkt fast nirgends, dass man eingeschlossen ist: und ueberall hat man die Aussicht ins Freie. Stockholm ist einer der lieblichsten Plätzchen, die ich gesehen habe: und wenn der Malär die Sonne des Arno hätte, wuerde hier mehr Elysium sein, als in Florenz." ( Dem ist eigentlich nichts hinzu zu fuegen, zumal die Stadt in ihrer Struktur und Bebauung si´ch in den letzten drei- bis vierhundert Jahren zumindest im Altstadtbereich kaum verändert hat.)

Allen Befuerchtungen zum Trotz habe ich eine ruhige Nacht. Dies mag zum einen an den 30-Minuten-Kurzschlaf der letzten Nacht liegen, zum anderen wohl auch an der herrlich einlullenden Wiegebewegung, die das Schiff permanent macht und natuerlich am Ohropax, das heute Nacht seinen ersten Einsatz hatte. Von meinen Zimmergenossen lerne ich eigentlich nur Somia aus Suedkorea kennen, die einen dreiwöchigen Trip durch Europa macht - London, Stockholm, Helsinki, Budapest und Kroatien. Alles klar. Sie ist ganz gluecklich, als ich helfe, die stinkenden Hosen und das dazugehörige Hemd eines unserer Zimmergenossen, welche direkt neben ihrem Kopfende hängt, auf den Gang zu befördern. Den Rest der Mannschaft lerne ich nicht einmal schnarchend kennen. Zwei und Somia sind heute morgen schon verschwunden und die beiden Russen sehe ich nur noch mit ihrem Rucksack das Zimmer verlassen. Gern hätte ich das messimäszige Bett des einen noch fotografiert, doch während ich fruehstuecken war, haben sie alle ihren Muell eingepackt. Als sie mich uebrigens mitbekommen, wechseln sie sofort vom
Russisch ins Englisch. Dies erinnert mich an ein Erlebnis vom Vorabend, als ich in der Fuszgängerpassage mit mindestens 60 Leuten eine halbe Stunde 4 jungen russischen Musikern lauschte. Die vier spielten Streichquartette von Händel, Mozart und Grieg so einfuehlsam und intonationssicher, dass die Menschen andächtig stehen blieben, begeistert Beifall zollten und sich ihr Geigekoffer ordentlich mit Scheinen fuellte. Dies war keine gewöhnliche Straszenmusik. Natuerlich gibt es immer wieder ein paar Kunstbanausen, die eben nicht um diese Szenerie herum- sondern mittenhindurchlaufen muessen. Einmal kamen zwei besonders finster schauende Schweden, die sich auch noch deutlich hörbar Russkis zuzischen mussten. Nun worauf will ich hinaus. Randgruppen, obwohl es sie durchaus gibt, sind, glaube ich, auch oder besonders hier in Schweden in der Öffentlichkeit nicht so gern gesehen. Wenn ich da an Dänemark denke, wo Behinderte ganz offensiv am öffentlichen Leben teilnahmen. Eine Beobachtung, die auch Moritz (ihr erinnert euch) teilte. Ich denk an die nächtlichen Buechsensammler, die ich auch in Stockholm nur im Verborgenen sehe. -

Und mein Seume sagt dazu, nachdem er von einem Hotelangestellten etwas krumm angesehen wurde: "Der schön geputzte Merkur sah mich und meinen Tornister ziemlich zweideutig an, als ob er intimieren wollte, wir beide gehörten wohl nicht hier her. Denn wer in der Welt nicht auch sogleich Gold von auszen hat, oder durch den Anschein verspricht, ist in Ewigkeit ein Lump, wie sich unsere feinen Leute ausdruecken, auch wenn er in der Tasche in Dukaten wuehlte. Es kommt ueberall nur auf den Schein an. Man braucht weder gelehrt noch weise, noch brav noch gut, noch gerecht zu sein, wenn man nur so aussieht, als ob man alles wäre."
Ich weisz nicht ob dies schon mal jemand geschrieben hat, aber fuer mich sind die Schweizer des Nordens. Und da gibt es ja auch diese Parallele mit der Neutralität. Schweden hat ja, so wie die Schweiz mit ihren Banken, durch Stahlexporte und sicher auch durch die vielen Emigranten durchaus am Krieg partizipiert.
Ach so, der letzte Mitbewohner und auch der einzige, der heute Nacht noch da ist, muss, so schliesze ich aus seiner kurzen Begrueszung Schwede sein. Ansonsten wechselt heute die ganze Belegung. - Wie schoen. "Ich muss blosz als erster schnarchen." - Somia treffe ich heute uebrigens wieder. Sie hat nur das Zimmer gewechselt, sich aber nicht verbessert, wie sie sagt. Zum Abschied streichelt sie mein Fahrrad: "Good Boy!" Ob es das wohl verstanden hat :-) .!?

So ein Jugendherbergsfruehstueck kann fast fuer den ganzen Tag reichen, besonders wenn man sich noch zwei Brötchen mitnimmt. Ich brauche mindestens eine Stunde, was die Russen ja bekanntlich ausgenutzt haben, vor allem, weil ich es liebe der Euphonie der Stimmen zu lauschen. Da mischt sich Englisch mit Schwedisch und Französische mit Deutsch und anderes was ich nicht mal erkenne geschweige denn verstehe. Und das ist so herrlich einfach diese Summen wahrzunehmen und (vielleicht zum Glueck) nichts zu verstehen.

Ueber Stockholm liesze sich unendlich viel schreiben. Denen, die es kennen, wäre es zu wenig, und denen, die noch nicht hier waren, muss man zurufen: "Kommt her!" Besonders im Sommer ist diese Mischung aus Wasser, Gruenanlagen und urbanen Flächen das Beste, was eine Stadt bieten kann.
Doch vielleicht noch eins: Mit dem Fahrrad kommst du gut durch Stockholm, obwohl hier schon etwas aggressiver gefahren wird als andernorts. Und du siehst wirklich die ganze Stadt. Fahrradvermietungen gibt es allerorten. Die meisten Hotels geben sie dazu.
Und noch eins: Am Stureplan findest du eine schlechtsortierte, aber uebervolle Buchhandlung, in der ich heute sicher eine Stunde verbrachte. Neben schwedischen Titeln kauft man dort vorrangig englische Buecher. Ich fand aber auch spanische, italienische und französische. An deutschen Titeln waren nicht allzuviel da, aber der Goethe, die Hertha Mueller und die Sarah Kirsch fehlten nicht. Ein besonderes Schmäkerl: Gedicht einer Japanerin ueber Europa auf deutsch. Ach und der Katalog der Frida-Kahlo-Ausstellung in Berlin hat den Weg nach Stockholm gefunden. - Der Vorteil der alphabetischen Unsortiertheit in den Regalen ist, dass man plötzlich auf Buecher stöszt, die man weder erwartet noch gesucht hat.
Dies muss reichen zu dieser wirklich schönen Stadt, die ich jetzt noch etwas geniesen werde. Vielleicht geht es zum Dansensgarden, wo ich vor gut zwei Stunden einer mindestens 15 köpfigen Big-Band beim Soundcheck lauschte und ide wirklich wunderbare Musik machten. (Aber die Tänzer, die dort nach und nach eintrafen, waren meist Paare ueber 50, also schwer fuer mich eine Tänzerin zu finden....) Auf alle Fälle wird der Abend auf Deck "meines" Schoners mit Blick auf die Altstadt und einem Bier enden. Zum Abschied sollte es ja eigentlich ein Wein sein, aber ich habe nicht einen von diesen staatlichen Alkoholläden gesehen. Der Blick durchs Schaufenster in Visby wird also meine einzige Erfahrung auf diesem Gebiet bleiben.
Skol MO

Sonntag, 8. August 2010

Nachtleben in Visby - Fruehstueck in Stockholm
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21. Etappe: 07./08..08.2010

Visby via Nyhäshamn (Fähre) nach Stockholm (93 km / 2366 km)
Was macht der gemeine Insulaner, wenn es Samstags regnet. Richtig: Er fährt nach Hause. Auf die 14.00 Uhr Fähre komme ich definitv nicht mehr drauf, erklärt mir die nette Kartenverkäuferin - ich könne aber mein Fahrrad in der Autoschlange stehen lassen. Zwei Stunden vor Abfahrt verkauft sie Standby-Tickets und wer Glueck hat, kommt nach 2 Stunden im Regen auf die Fähre. Ich beschliesze die 0.50 Uhr-Fähre zu nehmen, die, wie ich später erfahre auch noch 200 Kronen billiger ist. So habe ich noch den ganzen Nachmittag und Abend fuer Visby. Das die Stadt mittelalterliches Flair verströmt, schrieb ich, glaube ich, schon. Am Samstag wird dies noch authentischer, da viele mittelalterlich gekleidete Gestalten in der Stadt herumtreiben. Zum einem liegt dies am Markt, der im Stadtpark von Freaks aus unterschiedlichen Ländern gestaltet wird. Ich sehe dänische, ungarische, litauische, niederländische aber natuerlich auch schwedische und deutsche Autokennzeichen. Auszerdem wird aber auch mittelalterlich geheiratet, getafelt, gefidelt, getrommelt und getanzt, Feuer geschluckt und gespuckt sowie Theater gespielt. Des Abends geht die Post dann richtig ab. In der Taverne konkurriert die Sirtaki-Combo mit den Mittelaltertrommlern, der R&B-Band im Pub und den 3 Diskotheken, die plötzlich ihre roten Teppiche ausgerollt und die Tuersteher vor die Tuer gestellt haben. Ein irrer Mix.

Randbemerkung: Zwei Gruppen fallen mir in dieser Nacht besonders auf. Einerseits junge Mädchen und Frauen, die mit Bierbuechsen durch die Straszen streifen und wahrscheinlich fuer die Nacht vorgluehen. (Gruppen junger Männer habe ich nicht gesichtet.) Andererseits streifen durch die nächtlichen Straszen von Visby Gestalten, die ihre Fahrräder mit Plastikbeuteln behangen haben, in welchen sie aus den Muelleimern die weggeworfenen Bierbuechsen sammeln. Aufgemerkt: Der Pfand beträgt 0,50 Kronen. das sind 5 Cent.
Nach dreistuendiger Fährefahrt, deren Themse-Feeling-Charakter ich ob der Dunkelheit nicht mitbekommen muss, landen wir gegen vier wieder auf dem Festland. Auch wenn die Begrueszung und der Abschied recht tränenreich waren, danke ich der Insel fuer drei schöne Sommertage. Auf dem Weg von Nyhäshamn nach Stockholm spuere ich schon den Herbst heraufziehen. Ueber die Wiesen zieht der Morgennebel und von den Bäumen tröpfelt der Tau. Auch die Vegetation ist viel ueppiger als auf Gotland. Die ersten Kilometer muss ich mich erst einmal durch die morgengräuliche Stadt finden. Beim Wechseln der Sachen werde ich das erste Mal so richtig von Muecken zerstochen. Doch was mich wenige Kilometer nach Nyhäshamn erwartet, wirft mich fast von Rad. Zur besseren Anbindung der Fähre an die Hauptstadt zimmern die Schweden eine ueberdimensionale Autobahn in die Landschaft. Was ich bis jetzt an schwedischen Autobahnen gesehen habe, war eher beschaulich dagegen - ein- bis zweispurige Highways, auf denen man maximal 100 fahren darf. Streckenweise sind diese Straszen mit unseren Bundesstraszen vergleichbar, so dass auch Fahrradfahrer sie benutzen können. Der Linienbus hält am Rand und ab und zu kreuzt eine Strasze oder man muss einen Kreisverkehr passieren. Doch dies wird eine "richtige" Autobahn.
Gern hätte ich hier die passenden Fotos hochgeladen. Doch muss ich den geneigten Leser vertrösten, da die Computer im Hostel keinen USB-Anschluss haben. Ich bin schon froh, ueberhaupt schreiben zu können, denn in ganz Stockholm fand ich bisher ein Internetcafe. - Manchen Satz schreibe ich schon zum dritten Mal, weil die Sicherheitseinstellung der PCs, die Verbindung alle 10 Minuten unterbricht. Fast hätte ich mir wegen solcher Situationen, aber auch weil ich dann am Abend im Zelt oder sonstwo hätte schreiben können, in Karlskrona ein Mini-Notbook gekauft. Die 2500 Kronen waren schon abgezählt, als mir bei einem letzten Blick auf die Tastatur einfiel, das diese sich ja von der unsrigen total unterschiedet. Auszerdem will ich auch mal wieder ein richtiges sz und ue schreiben.
Auch auf dem Weg nach Stockholm erweist sich die Beschilderung als sehr kompliziert. Manchmal lockt ein Wegweiser dich auf durchaus schöne Pfade und dann aber in irgend einem Dorf dich vor drei möglichen Straszen stehen zu lassen. Meist funktioniert die Regel: Im Zweifelsfall Hauptstrasze oder geradeaus fahren. Leider nicht immer. Heute habe ich uebrigens auf ein und der selben Strecke vier unterschiedliche Wegzeichnungen gefunden. Schlussendlich kommt man am besten, wenn man sich auf die gutbeschildeerten Autobahn-Ausweichstrecken konzentriert, auf denen wahrscheinlich nur mal bei Vollsperrungen mal gröszerer Verkehr ist. Gegen halb zehn erreiche ich Stockholm und kann, da die Tourist-Information erst um zehn öffnet, ein kleines Fruehstueck einnehmen. Im Informationsprogramm finde ich ein kleines, preiswertes Hotel, das ein wenig auswärts liegt. Ich beschliesze- Gott sei dank- es mir vor Buchung anzusehen. Es liegt bezaubernder Weise direkt an einer Schnellstrasze und einer Zuglinie und soll auszerdem plötzlich 950 Kronen kosten. Als die "nette" Dame mir noch erklärt, ich könne in drei Stunden zum Buchen wieder erscheinen, bin ich schnell weg. Weitere Hotel-Einzelzimmer beginnen im 100 Euro-Bereich, so dass ich beschliesze, dem Tipp von "Marco Polo" zu folgen und im Hostel am Malärenkai nachzufragen. Dort finde ich in traumhaft ruhiger Lage ein altes Sägelschiff mit Blick auf die Altstadt von Stockholm. Einziger Nachteil: Es gibt keine Einzelzimmer. Ich werde mir die Kajuete also mit fuenf mir noch Unbekannten teilen. Das wird bestimmt lustig. Doch nun genug geschrieben. Auf mich wartet Stockholm.

Danke fuer Nachrichten aus der Heimat & viele Gruesze an die stillen Leser MO

Samstag, 7. August 2010

Mein Seume

Mein Seume begleitet mich schon seit Kopenhagen. Er lebt zu Goethes Zeiten und unternahm 1802 eine Wanderung von Grimma/Leipzig, wo er als Korrektor (heute Lektor) in einem Verlag arbeitete, bis nach Syrakus auf Sizilien und zurueck ueber Paris. Dabei lief er am Tag mit seinem Tornister, in dem sich bis zu 10 Buecher befanden, z.T. 70 Kilometer am Tag. Das daraus entstande Buch "Mein Spaziergang nach Syrakus" wird von einigen Kunstkritikern als authentischer und wertvoller als Goethes "Italienische Tagebuch eingeschätzt, da er durch die Art zu Reisen viel näher an den Menschen dran war.
Hier eine Kostprobe: "Ich halte den Gang fuer das Ehrenvollste und Selbständigste in dem Manne, und bin der Meinung, dass alles besser gehen wuerde, wenn man mehr ginge. Man kann fast ueberall blosz des wegen nicht recht auf die Beine kommen und auf den Beinen bleiben, weil man zu viel fährt. Wer zu viel im Wagen sitzt, mit dem kann es nicht ordentlich gehen. "
Einige Jahre später unternahm Johann Gottfried Seume eine Reise durch Polen, das Baltikum, Russland, Finnland, Schweden, Dänemark zurueck nach Deutschland. Sein Buch dazu trägt den Titel "Mein Sommer 1805" gestern abend las ich ueber die lauen sommerlichen Augustabende in Stockholm. Ich kann also guter Hoffnung sein während es drauszen wie aus Gieskannen schuettet.
Letztes von der Insel
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20. Etappe: Visby und Umgebung (32 km/ gesamt: 2273 km)
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Die Zeit bis zur Abfahrt der nächsten Fähre, die mich hoffentlich aufs Festland bringen wird, denn eigentlich sind heute alle Fähren voll - Samstag & Regenwetter -, verbringe ich wieder in der Universitätsbibliothek von Visby, zu deren treuen Schreibern ich nun schon gehöre.
Die Insel verabschiedet sich so wie sie mich begrueszte - mit Schmuddel-Regen-Wetter.
Also gibt es wieder einer dreistuendige Themsefahrt ueber die Ostsee. Wie wuerde Ronja sagen: "Es ist ein nasser Sommer, aber es wird besser."

Mitten aus der herrlichsten Natur fährst du plötzlich durch diese Industrielandschaft..!?

Das sind "meine Mopedisten" beim Morgenappell
Und dies ihre heiszen Maschinen ( im Hintergrund das Hostel und mein Radel) - Damit sind unikat, denn ansonsten hat der Schwede eine Vorliebe fuer fette Maschinen und heisze Sportwagen. Sehr beliebt und oft zu sehen sind alte amerikanische Straszenkreuzer, die meist auch noch in einem beachtlich guten Zustand sind. Ansonsten fährt der "normale" Schwede Volvo oder Saab. Wobei man ganz viele V 70 sieht, die, wie Uwe sagte, in Schweden noch teurer als in Deutschland sind, aber auch viele ganz, ganz alte Kisten, natuerlich Volvo.

Dazu gleich noch ein anderes Phänomen, welches mir schon in Dänemark auffiel. In fast jedem zweiten Vorgarten findet sich ein Boot unterschiedlichster Grösze, manche sehr bescheiden, manche aber auch von einer Dimension, die vermuten lässt, dass das Boot mehr wert ist als das dazugehörige Grundstueck. Rechnet man nun die ganzen Boote die schon im Wasser liegen dazu, muss man annehmen , hier hat fast jeder ein Boot.

Um nicht mit der Nachtfähre fahren zu muessen, beschloss ich gestern abend einen Ort Namens Traume aufzusuchen, an dem es ein bezahlbares Hostel geben sollte. Auf den etwa 5 km ins Landesinnere durch dämmrigen Kiefernwald ueberlegte ich, ob Traume sich wohl von Träume oder Trauma erschlieszt. Zum Glueck trat ersteres ein und ich fand ein sauberes jugendherbergsähnliches Hostel vor. Schwierig war die Anmeldung, denn die Rezeption war nicht besetzt. Unter den zwei angegeben Nummern meldete sich auch niemand. So trank ich erst einmal mit den "Moped-Schweden" aus Verzweiflung ein Bier. Ebendiese waren mir in den letzten Tagen schon mehrmals begegnet. Zum ersten Mal beim Aussteigen aus der Fähre von Oskarshamn vor 3 Tagen, zum zweiten im abgefahrenen Schrott-Cafe auf FÅrö und nun hier. Zum Glueck klingelt nach wenigen Minuten mein Handy und eine nette Frauenstimme erfragte mein Begehren. Ja sie kann jetzt nicht kommen, aber Zimmer 2 ist frei, der Schluesssel steckt und wenn ich das Geld morgen frueh ins Zimmer legen wuerde, wäre alles o.k. Schöne Zeit und hej då! Perfekt! Den Abend verbringe ich mit den "Mopetisten", wie sich selbst nennen. Es gibt Bratwurst und Bier und interessante Gespräche.

Uebrigens Bier: Man sagt ja, das Bier in Schweden wäre teuer. Nun, das ist korrekt. Trinkt man in der Gaststätte ein Bier. So kostet dies zwischen 5 & 7 Euro. Mein Spitzenpreis: Ein 0,33 l "Visby" aus der Flasche fuer 5,50 Euro. Andererseits ist s aber auch so, dass man in den Supermärkten, die nur Alkohol bis 3,5 % alc. verkaufen duerfen, sich die verschiedensten Biere vor allem dänische und tschechische zu unterschiedlichsten Preisen finden. Die Biere mit 2,2 und 2,8 % alc. bekommt man schon unter 50 Cent. Fuer ein 3,5er bezahlt man hingegen schon 1 -1,5 Euro fuer den halben Liter. Zu den Preisen in den staatlichen Alkoholläden kann ich nicht wirklich was sagen, da ich nur in einem durch das Schaufenster gesehen habe. Da kam eine Flasche "Cinzano" um die 10 Euro, also ungefähr soviel, wie ein Glas Wein im Restaurante. Simon erzählte mir uebrigens, dass die Preise durch die EU stark gesunken seien, denn nun könne ja jeder 90 Liter Wein oder 10 Liter Schnaps einfuehren. - Uebrigens sehen es die schwedischen Ordungshuetter (und wahrscheinlich auch die meisten Schweden) gar nicht gern, wenn man im Stadtpark alkoholische Getränke zu sich nimmt. Ich wurde Zeuge einer Szene, in der sie einigen Parktrinkern unterschiedlichen Alters ihr Allerliebstes nahmen und in den Stadtpark kippten. Anschlieszend wurden noch die Personalien aufgenommen. Fertig. - Aber nun genug zu diesem Thema.

Freitag, 6. August 2010

Ab auf die Inseln
Wer hat wohl hier Modell gesessen?
Das ist kein Museum!!

Solch eine Zapfsäule findet man an vielen Supermärkten

Hier habe ich mich lieber nicht drauf gesetzt!


Lange bevor man das erste Fåröschaf sieht, wird man liebevoll auf diese "wilden Tiere" vorbereitet

Welch Idylle..!?


Eine absolut angesagtes Lokal auf Fårö

Hier gab es wirklich suesze Sachen ...

Visby

"Die Glasorgel" von Arvid Kallström aus Glas und Beton


17. Etappe: 04.08.2010 Visby - Fårösund -75 km
Beim ersten Blick am Morgen aus dem Fenster ist klar keine Wetterbesserung - Dauerregen. So lasse ich meine Gepäck bei der Heilsarmee stehen und fahre in die Bibliothek. Das Schreiben ist inzwischen ein wichtiger Bestandteil meiner Reise und quasi zum Beduerfnis geworden. Die Zeit zwischen 10 & 14 Uhr vergeht wie im Flug und ..............(lange Pause) als ich die Bibo verlasse scheint die Sonne. Ein Stuendchen wärme ich meine steifen Glieder bei viel Kaffee in der Sonne und mache mich anschlieszend auf die Suche nach einem neuen Gepäckträger, denn schon am Morgen war mir aufgefallen, dass der alte gebrochen ist. Es ist nicht einfach einen passenden Gepäckträger im Ausland zu finden, denn wie bei allen Geräten, gibt es hunderte Versionen. Nach zwei Stunden habe ich einen gefunden, der passen könnte, und gleichzeitig mich Ersatzteilen eingedeckt, denn so richtig stabil erscheint er mir nicht. Nach einenr weiteren Stunde ist er angebaut und es ist herrlichstes Sommerwetter. Ich muss raus aus dieser Stadt und schwinge mich noch mal in den Sattel. In knapp 3 Stunden reisze ich die ca. 70 km bis Fårösund ab. Meine Suche nach einem Hotel oder Bed & Breakfast (das hatte ich ueberhaupt noch nicht) bleibt ergebnislos. Als finde ich fuer mein Zelt und mich wieder eine traumhafte Badestelle am Fårösund.

18. Etappe: 05.06.2010 Fårö-Safari - 80 km
Die Sonne steht schon hoch, als ich erwache. Und was meine Augen sehen grenzt an einen Horrorfilm. Tausende von Ameisen krabbeln an meinem Innenzelt auf und ab auf der Suche nach dem Eingang. Zum Glueck habe ich den Reiszverschluss zu 100% geschlossen und auch das Zelt die Nacht ueber nicht verlassen. Was im Dämmerlicht gestern abend nicht mehr sah: Ich stehe wenige Meter von einem riesigen Ameisenhaufen entfernt. Meine Schuhe, die vor dem Zelt stehen sind auch von Ameisen bevölkert, nur mein Seesack und die Packtaschen sind gut verschlossen. Ich versuche die Ameisen abzuschuetteln. Doch das macht sie scheinbar nur noch interessierter an der Sache. Es bleibt mir also nichts anderes uebrig, als das Zelt fluchtartig zu verlassen. Die wenigen Sekunden, die der Reiszverschluss geöffntet war genuegend, dass es einige dutzend hinein schaffen. Nach und nach schuettele ich meine Sachen zum Bootssteg und schuettele sie da aus. Zum Abschluss noch ein Bad im Fårösund, der angehm warm ist, und ich bin auch die letzte Ameise los.
Mit der Fähre geht es auf die kleine Fårö-Insel, auf der man schon nach wenigen Kilometern einen kleinen Campingplatz erreicht, der von einem schwäbischen Pensionärsehepaar fuer einen 80 jährigen Schweden mit viel Liebe gefuehrt wird. (Sehr zu empfehlen.) Ingrid erklärt mir gleich, wo ich unbedingt mit dem Rad hinfahren muss. Auszerdem gibt es auf dem Platz eine Waschmaschine und solch eine haben meine Sachen zuletzt in Kopenhagen gesehen. Ich bin quasi blank bis aufs letzte Hemd. Und so beschliesze ich hier mein Basislager einzurichten, um die Insel zu erkunden. Während die Wäsche wäscht, baue ich in aller Ruhe Zelt auf und bekomme (zur Belohnung!?) von Ingrid noch einen Kanne Kaffee. Fårö ist eine Insel, deren Bewohner vorrangig vom Tourismus und von der Schafzucht leben. Dazu kommen noch ein paar Kuenstler, die aber meist nur im Sommer da leben. An kilometerlangen Stränden findet man die Raukar - bizarre Felstuerme - die wie Skulpturen aussehen. Im Landesinneren gibt es dutzende Windmuehlen, Bruchsteinmauern und riedgedeckte Schafhöfe. Die von Ingrid empfohlen Kjupsoup - ein gotländisches Nationalgericht ähnlich unserer Bärlauchsuppe - verpasse ich, da ich durch meine vielen Fotostopps zu spät auf dem Wochenmarkt bin. Dafuer gibt es noch eine andere Spezialität - eine Art Eierschecke aber mit Gries gemacht dazu Preiselbeerkonfituere und Sahne. Am Abend höre ich in der Kirche von Fårö den "little swedish Cohen". Leonard Cohen auf schwedisch. Nicht schlecht und als die Kirche dann gemeinsam "Halleluja" singt, gibt es noch ein bissl Gänsehautstimmung.
Auf dem Rueckweg zum Zeltplatz springt mich die Werbung auf Lamm-Buffett an. Nationalgericht. Und schon sitze ich mit Simon einem schwedischen Medizinstudenten am Tisch, der auch ein paar Tage Inselurlaub mach und von Göteborg heruebergekommen ist. Er ist auch auf meinem Zeltplatz und auszerdem ein fleisziger Nutzer des Jedermannsrechtes. Er meint, wenn du nicht gerade im Vorgarten zeltest, hast du ueberall das Recht fuer eine Nacht zu stehen. Wir reden ueber Gott und die Welt und ich merke: Mein Englisch ist nicht so gut. Die jubgen Schweden sprechen Englisch wie ihre zweite Muttersprache. Im Zelt schlafe ich bei Lektion 3 meines Englischbuches ein.

19. Etappe: 06.08.2010 Fårö - Visby 85 km

Abschied von Ingrid und Uwe, mit dem ich am Morgen noch einen langen Schwatz halte. Es gibt noch mal Kaffee und gute Wuensche (Ich hoffe, Ihr lest das. DAAAAANKE!)

Morgens muss man mindestens eine Stunde länger einplanen, denn es ist meist neblig. Alle Sachen sind klamm oder nass und muessen erst einmal in der Sonne trocknen. Ich frage Simon ob das schon der Herbst ist. Er meint, nö schwedischer Sommer. In den letzten Tagen musste ich manchmal an Astrid Lindgren und ihre Ronja Räubertochter denken. "Es ist ein nasser Sommer, aber es wird besser. Es ist ein stuermischer Sommer, aber es ....." Auf dem Weg nach Oskarsham fuhre ich ja fast einen Tag an ihrem Småland entlang.

Heute kehre ich auf der westlichen Kuestenstrasze nach Visby zurueck. Heute in der Nacht oder morgen bringt mich die Fähre aufs Festland zurueck.

Es grueszt der Gastleser (besser Internetnutzer) der Universität zu Visby

MO

Sonntag, 1. August 2010

Auf dem Weg nach Norden




Hier sieht man den Schweden bei einer seiner liebsten Sonntagsbeschäftigungen neben Rasenmähen und Heckeschneiden - HAUSSTREICHEN - Weiterhin sehr beliebt ist ein Picknick im Wald, Park oder einfach am Straszenrand und der Besuch von den unterschiedlichsten Märkten
















Dieses einsame Häuschen war leider nicht frei ....!?

Hier hat Kristian offenbar seinen Opel auf dem Weg nach Konstantinopel abgestellt

Geneigter Leser - Es ist mir nicht möglich, dies alles Korrektur zu lesen. Ich bitte alle Fehler zu entschuldigen.

14. Etappe: Sonntag - 01.08.2010 Karlskrona - Bottorp 93 km
Nach dem gestrigen sommerlichen Tag sieht es heute nach Regen aus und auch die Meterologen prognostizieren nichts besseres. Egal, es gibt kein schlechtes Wetter, nur unzweckmäszige Bekleidung. Das schwedische Fruehstueck ist ein Kapitel fuer sich. Eigentlich bist du danach fuer den ganzen Tag satt. Wenn man glaubt, wir Deutschen lieben es schon deftig, so setzten die Schweden zu all den Dingen wie Wurst, Schinken, Käse, Köttbullar (Fleischbällchen), Schinken, Ruehreiern u.ä. noch ein kräftiges Angebot an eingelegten - seit Heinar wissen wir marinierten - Fischsalaten und anderen sueszsauren Dingen obendrauf. Kein Wunder, dass ich heute wieder erst gegen Mittag aus dem Hotel komme.
Gegen Mittag erreiche ich ein kleines Fischerdörfchen. Die Perser hatten ihr Konstantinopel, die Schweden Kristianopel. Und wie zur Bestätigung steht am Ortseingangsschild ein roter Opel. Aber ernsthaft, irgendwie gerate ich in ein sehr beliebtes Volksfest hinein. Zwischen Kirche und Hafen gibt es die skurillsten Stände -auch viel Plunder -, schwedische Live-Musik - ein Mix aus Shanty und Schlager-, Tombola und Imbissstände. Hier esse ich eine schwedische Spezialität von Kristianopler Hausfrauen bereitet- "Sill med Mos", gebratner Hering mit einer Art Kartoffelmusz und Preiselbeerkonfituere- interessant.
Gegen Abend finde ich einen herrlichen Zeltplatz auf einer Schäre. Umgeben von Wasser, Kuehen & Pferden findet man am letzten Landzipfel einen kleinen Hafen mit Bootshaus, welches als Ferienhaus dient und wie ich später merke, von einer Familie aus Fulda bewohnt wird, und einem Bauernhaus. Dort frage ich auch lieber, ob ich zelten darf. Jedermannsrecht hin oder her.


15. Etappe: 02.08.2010 Bottorp - Schäre bei Oskarsham
Am Morgen 2 Stunden Dauerregen. Ich traue mich gar nicht aus meinem Zelt, welches ich in einer Regenpause nass einpacke. Als ich aus der eiskalten Ostsee komme, werde ich von den besorgten Fuldaern zum Fruehstueck eingeladen. Netter Tagesbeginn.
In Kalmar, der Stadt von der man auf die Insel Öland (kommt wahrscheinlich von öd, sagt man mir) gelangt, bin ich gerade beim fotografieren des Renaissanceschlosses, treffe ich Chris mit seiner Familie, einen Radelfreund aus Dresden, mit dem vor zwei Jahren in einer gröszeren Gruppe mal in drei Tagen von Dresden nach Hamburg fuhr. Das war schon hart - so zwischen 150 & 190 km am Tag zu fahren. Allerdings fährt es sich in einer Gruppe natuerlich auch leichter, da man sich immer dranhängen kann. Ich erinnere mich noch gern an das Erstaunen der 10 Jahre juengeren Fahrer damals, als ich mit meine "15km-Eisenschwein", wie sie es tauften, mit ihnen und ihren 6,5kg-Rennmaschinen mithielt.
Unterwegs auf der Suche nach Kohlenhydraten lerne ich Suoma kennen, einen kurdischen Iraker, der 8 Jahre in Muenchen lebte und sich dann dummerweise einen kleinen Imbiss in Schweden aufschwatzen lies. Seit 3 Jahren ist er nun hier und kommt nicht an . Am liebsten will er verkaufen und zurueck nach Deutschland. Er fuehlt sich nicht respektiert in Schweden, ehe dikriminiert. Seit 3 Monaten will er eine Wohnung in der Region mieten. Und obwohl es ganz viele leere Wohnungen gibt, hat er keine Chance - Ausländer !
Irgendwie summt in mir heute der Blues. Ein Blick auf die Karte zeigt mir, welch kleines Stueck der unendlichen schwedischen Weiten ich erst geschafft habe. Langsam bekomme ich einen riesen Respekt. Was ich auch nicht einschätzen konnte, ist die Tatsache, dass man als Radfahrer natuerlich nicht den kurzen Ostsee-Highway fahren kann, sondern immer wieder im Zick-Zack zwischen Schären und Inland hin und her pendelt und so gut 50 % auf die angegeben Strecken draufschlagen muss. Zum Glueck finde ich am Abend einen traumhaften Naturzeltplatz in den Schären imposanter Sonnenuntergang inklusive.


16. Etappe: 03.08.2010 Oskarham - Visby/ Gotland 24 km (Gesamt: 2001 km)

Als ob ich es gestern schon gespuert hätte, empfängt mich heute morgen tiefer Nebel. Herbststimmung. Also wieder das nasse Zelt einpacken und rauf aufs Radel. Irgendwie brauche ich heute einen Motivationsschub- zumal heute die 2000 km fallen. Ich habe mehrere Optionen: Weiter der Kuestenstrasze folgen, die langen waldreichen Highways durchs Landesinnere wählen oder ab auf die Insel. In Oskarham fährt eine Fähre nach Visby/ Gotland, der gröszten schwedischen Insel. Dort soll es wärmer und sonniger als auf dem schwedischen Festland sein.!? In Oskarham gibt es einen Kaffee und einen Plan. Als ich in Oskarham einfahre, beginnt es zu regnen. Die Fähre liegt am Kai - Abfahrt in einer halben Stunde. Mein Entscheidung ist gefallen: Ab auf die Insel. Leider empfängt mich nicht der im Wetterbericht versprochene Sonnenschein sondern Dauerregen. Auch die Suche nach einem Zimmer entwickelt sich schwierig. Eigentlich wollte ich nicht schon wieder 80,- Euro fuer ein Hotelzimmer ausgeben und die kleinen Huetten auf dem Campingplatz sind auch nicht billiger zu haben. Gerade als ich beschliesze, erst mal in Ruhe mit einem Bier die geschafften 2000km zu begieszen, sehe ich 2 Biker, die mir schon auf der Fähre aufgefallen sind, aus einem Haus treten. Kurze englische Konversation, dass sie ihre Maschinen später in den Hof stellen, und schon sind sie verschwunden. Ich fahre die wenigen Meter zurueck, lese etwas von Hostel und nicht Rauchen und kein Alkohol und lege meinen Finger auf die Klingel. So bin ich bei der Heilsarmee gelandet, wie ich später erfahre. Die lassen sich ihre einfaches Zimmer, welches direkt neben der Buehne des Gemeindesaales liegt, den ich zum Besuch des Bades durchqueren muss, zwar auch gut bezahlen, sind aber wesentlich guenstiger. Und was braucht der Mensch mehr als ein Bett und ein Pläztchen, an dem er seine Sachen wieder trocken bekommt. Visby, die einzige Stadt Gotlands, hat mittelalterliches Flair. Eine fast komplette 12 km lange Stadtmauer, enge Gassen und interessante Häuser. Im Museum kann man bis tief in die vorchristliche Geschichte der Insel einsteigen und in der Domkirche gibt es Cembalomusik. So vergeht ein Regentag. Die Schwedinnen laufen schon mit Gummistiefeln herum, hoffentlich hat das nichts zu bedeuten. Wobei man sagen muss, dass die Schweden sich vom Regen ueberhaupt nicht stören lassen. Da wird auch bei starkem Regen mit oder ohne Schirm und Regenbekleidung flaniert und die Restaurants sind auch drauszen voll. Gestern sucht ich vergeblich nach einem Internet-Cafe. In letzter Minute fiel mir die Bibliothek ein, in der ich mich auch grad noch anmelden konnte, um heute morgen als Erste einen Platz im groszen Lese- und Schreibsaal zu erhaschen. And it is all for free. Nice.
Am Abend belohne ich mich noch mit einem Meat-Buffett (suendhaft teuer) und einem (ich betone einen) Glas Rotwein, den das kostet allein 10,- Euro.

Hej då MO
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